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CIGS steht als Akronym für die verwendeten chemischen Elemente: Kupfer (Cuprum), Indium, Gallium und Selenid. Im Gegensatz zu den starren Wafern der kristallinen Photovoltaik handelt es sich hierbei um eine Dünnschicht-Technologie.
Das Geheimnis der CIGS-Technologie liegt in der extrem hohen Lichtabsorption des Halbleitermaterials. Während kristallines Silizium relativ dick sein muss, um genügend Photonen einzufangen, reicht bei CIGS eine Schichtdicke von etwa 1 bis 2 Mikrometern aus. Die Atome werden dabei so angeordnet, dass sie ein optimales Bandlücken-Profil bilden, was die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie besonders effizient macht.
Ein technologischer Meilenstein ist das Rolle-zu-Rolle-Verfahren (Roll-to-Roll). Ähnlich wie beim Zeitungsdruck werden die CIGS-Schichten in einem kontinuierlichen Prozess auf flexible Trägermaterialien wie Edelstahlfolie oder temperaturbeständige Kunststoffe (Polyimide) aufgedampft. Dies geschieht oft mittels Vapor Deposition (Gasphasenabscheidung). Der Vorteil: Der Energieaufwand in der Produktion ist deutlich geringer als beim energieintensiven Ziehen von Silizium-Einkristallen, was die energetische Amortisationszeit der Module verkürzt.
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SUCHENDie Entscheidung für oder gegen CIGS-Solarzellen hängt stark von den individuellen Rahmenbedingungen Ihres Projekts ab. Hier sind die wichtigsten Vor- und Nachteile der Technologie im direkten Vergleich:
Wenn Sie ein klassisches, unkompliziertes und tragfähiges Schrägdach mit begrenztem Platz haben, bietet monokristallines Silizium meist die beste Rendite. CIGS spielt seine technologische Überlegenheit jedoch in folgenden Szenarien voll aus:
Die gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Solarmarkt und verwandelt Gebäude von passiven Hüllen in dynamische, stromerzeugende Einheiten. Gerade bei Solarfassaden spielen CIGS-Module ihre ästhetischen und konstruktiven Vorteile gegenüber herkömmlichen Siliziumzellen voll aus.
| Merkmal | CIGS-Modul (2026) | Monokristallin (TOPCon) |
|---|---|---|
| Wirkungsgrad (Markt) | 16 % – 18 % | 22 % – 24 % |
| Gewicht | < 5 kg/m² | 18 – 22 kg/m² |
| Flexibilität | Biegsam (R < 10 cm) | Starr / Spröde |
| Temperaturverlust | gering (ca. -0,3%/K) | mittel (ca. -0,35%/K) |
| Optik | Homogen, Schwarz/Dunkelbau | Gitterstruktur sichtbar |
Wenn es um den Wirkungsgrad geht, haben CIGS-Zellen in den letzten Jahren eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Im kommerziellen Massenmarkt liegen CIGS-Module heute bei einem soliden Wirkungsgrad von etwa 15 bis 19 Prozent. In Forschungslaboren werden unter idealen Bedingungen jedoch bereits Spitzenwerte von über 23 Prozent für reine CIGS-Zellen erreicht. Damit ist CIGS die derzeit effizienteste Dünnschichttechnologie am Markt.
Der wahre Durchbruch für die Zukunft der Photovoltaik liegt jedoch in der sogenannten Tandem-Technologie. Um die physikalische Effizienzgrenze von einzelnen Solarzellen (das Shockley-Queisser-Limit von rund 33,7 %) zu durchbrechen, kombinieren Forscher CIGS mit einer weiteren, hochspannenden Materialklasse: den Perowskiten. Bei einer solchen Tandem-Solarzelle fungiert die Perowskit-Schicht als obere Zelle, die vor allem das blaue und grüne Licht des Spektrums absorbiert. Die CIGS-Schicht darunter fängt das restliche rote und infrarote Licht ein. Der Geniestreich an dieser Kombination: Da beide Materialien in Dünnschichtverfahren hergestellt werden können, bleibt das resultierende Tandem-Modul weiterhin extrem leicht und sogar biegbar.
Diese Technologie bricht aktuell weltweit Rekorde. Dem Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) gelang es kürzlich in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität, einen neuen, zertifizierten Weltrekord von 24,6 Prozent Wirkungsgrad für eine monolithische Perowskit-CIGS-Tandemzelle aufzustellen. Forscher sind sehr zuversichtlich, dass durch weitere Optimierungen der Kontakt- und Rekombinationsschichten schon bald Wirkungsgrade von über 30 Prozent in greifbare Nähe rücken. Damit katapultiert die Tandem-Technologie die CIGS-Zellen in völlig neue Leistungsdimensionen.
Es gibt Szenarien, in denen die CIGS-Technologie ihre kristallinen Verwandten technologisch deklassiert:
Wer bei CIGS-Solarzellen nur den reinen Anschaffungspreis pro Watt-Peak (Wp) mit herkömmlichen Siliziummodulen vergleicht, greift zu kurz. Zwar liegen die reinen Modulkosten für CIGS aktuell oft noch über denen der Standard-Silizium-Massenware (mit einem Aufpreis von etwa 20 bis 30 Prozent). Die wahre Wirtschaftlichkeit dieser Technologie zeigt sich jedoch bei der Betrachtung der Gesamtsystemkosten (Balance of System – BOS) und dem doppelten Nutzen in der direkten Anwendung.
Bei herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen machen aufwendige Unterkonstruktionen aus Aluminium, Dachdurchdringungen und die Arbeitszeit einen erheblichen Teil der Kosten aus. Da flexible CIGS-Module extrem leicht sind und oft im "Peel-and-Stick"-Verfahren direkt auf Dachhäute oder Industrie-Leichtbaudächer aufgeklebt werden können, sinken diese Montage- und Systemkosten drastisch. Zudem entfällt ein teurer Ausbau der Dachstatik, der bei schweren Glasmodulen auf älteren oder leichten Dächern oft zwingend fällig wird.
Ihren größten finanziellen Vorteil spielt die CIGS-Technologie in der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV) aus. An einer Fassade montiert, fungiert das Modul nicht nur als Stromgenerator, sondern ersetzt vollständig herkömmliche, teure Baumaterialien wie Naturstein, Keramik oder Verbundglas. Rechnet man nur die sogenannten "Mehrkosten" (Incremental Costs) gegenüber einer normalen, passiven Fassadenverkleidung, fallen diese erstaunlich gering aus – bei opaken (undurchsichtigen) CIGS-Verkleidungen liegen sie oft nur zwischen 65 und 170 Euro pro Quadratmeter. Zudem sinken die Lohnkosten, da die Installation von Fassade und Stromerzeuger in einem einzigen Arbeitsschritt durch ein Gewerk erfolgt.
Durch die Doppelnutzung und die Einsparungen bei der Montage verändert sich die betriebswirtschaftliche Rechnung enorm:
Die folgende Tabelle vergleicht eine klassische Aufdach-Anlage mit einer modernen CIGS-Lösung (z. B. als Klebe-Module auf einem Leichtbaudach oder als Fassadensystem).
| Parameter | CIGS-System (Dünnschicht) | Standard-System (TOPCon/Mono) |
|---|---|---|
| Modul-Wirkungsgrad | ca. 16 % – 18 % | ca. 22 % – 24 % |
| Flächenbedarf für 10 kWp | ca. 60 – 65 m² | ca. 42 – 48 m² |
| Gewicht pro m² (inkl. Montage) | ca. 3 – 5 kg | ca. 20 – 25 kg |
| Anschaffungskosten (nur Module) | Höher (+20 % bis 40 %) | Marktdurchschnitt (Günstig) |
| Montagekosten (BOS) | Niedriger (oft Klebeverfahren) | Höher (Alu-Unterkonstruktion) |
| Ertrag bei diffusem Licht | Sehr hoch (+5 % bis 10 %) | Gut (Standard) |
| Wirtschaftliches Fazit | Ideal bei statischen Limits oder BIPV | Beste Rendite auf Standard-Dächern |
Für Sie als Endverbraucher ist nicht nur der Preis des Moduls entscheidend, sondern die Gesamtkosten pro erzeugter Kilowattstunde über 25 Jahre.
In Zeiten strenger Umweltkriterien punktet die CIGS-Technologie bereits bei der Herstellung mit einer exzellenten Ökobilanz. Da die Dünnschicht-Produktion hochspezialisierte Vakuumprozesse nutzt und kein energieintensives Schmelzen von Silizium erfordert, ist der „CO2-Rucksack“ der Module deutlich kleiner. Die CO2-Emissionen bei CIGS-Modulen liegen bei sehr niedrigen 13 bis 25 g CO2-Äquivalenten pro erzeugter Kilowattstunde, während klassische monokristalline Siliziumzellen auf 32 bis 38 g kommen. Zudem erfordern die CIGS-Prozesse einen wesentlich geringeren Wasserverbrauch, da das ressourcenintensive Sägen und Ätzen von dicken Wafern komplett entfällt.
Ein oft diskutierter Aspekt der CIGS-Technologie ist der Einsatz der namensgebenden Elemente Indium und Gallium. Beides sind seltene und wertvolle Metalle, die von der Europäischen Kommission als kritische Rohstoffe eingestuft werden. Um zukünftige Materialengpässe zu vermeiden und die Produktionskosten für die Halbleiterschichten stabil zu halten, ist die Rückgewinnung dieser Rohstoffe am Ende der 25- bis 30-jährigen Modul-Lebensdauer zwingend erforderlich.
Die Solarindustrie und die Forschung haben auf diese Herausforderung reagiert und hocheffiziente Recyclingverfahren zur Marktreife gebracht. Anstatt die Module zu deponieren, kommen heute moderne hydrometallurgische Verfahren zum Einsatz, die oft umweltfreundlich bei niedrigen Temperaturen arbeiten. Der Prozess läuft in der Regel so ab: Nach der mechanischen Zerkleinerung der Module und der Trennung von den Glas- oder Folienträgern werden die aktiven Schichten durch spezielle, milde Säuregemische (wie Salzsäure und Wasserstoffperoxid) herausgelöst. Durch anschließende Lösungsmittelextraktion und elektrolytische Abscheidung können die einzelnen Metallionen gezielt und sauber voneinander getrennt werden.
Mit diesen innovativen Methoden lassen sich heute über 95 bis 97 Prozent der wertvollen Halbleitermaterialien – also Kupfer, Indium, Gallium, Selen und oft auch Silber – aus den Altmodulen zurückgewinnen. Die so gewonnenen Reinmetalle fließen direkt wieder in die Produktion neuer Solarzellen zurück. Das macht die CIGS-Solarzelle nicht nur zu einem Kraftwerk, sondern zu einem Vorreiter für eine echte, funktionierende zirkuläre Kreislaufwirtschaft.
CIGS-Solarzellen haben sich weit über ihren anfänglichen Nischenstatus hinausentwickelt und stellen heute eine ausgereifte Plattform für die solare Energiegewinnung dar. Während kristallines Silizium aufgrund seiner etablierten Lieferketten weiterhin das Rückgrat für klassische Freiflächen- und Standarddachanlagen bildet, übernimmt die CIGS-Technologie genau dort, wo Silizium an seine physikalischen oder ästhetischen Grenzen stößt.
Ob als ultraleichte, biegsame Folie auf statisch ausgereizten Industriehallen, als unzerbrechliche Energiequelle auf Transportfahrzeugen oder als farblich anpassbare, rahmenlose Solarfassade – CIGS verwandelt bislang ungenutzte, passive Hüllen in dynamische Stromgeneratoren. Die Technologie besticht nicht nur durch ihr Design und ihre Leichtigkeit, sondern auch durch stabile Erträge bei hohen Temperaturen und Streulicht.
Auch mit Blick in die Zukunft ist CIGS hervorragend aufgestellt: Als ideale Basis-Zelle in Kombination mit Perowskit-Halbleitern (Tandem-Solarzellen) bricht die Technologie aktuell Weltrekorde und wird voraussichtlich schon bald kommerzielle Wirkungsgrade von über 30 Prozent ermöglichen. Gepaart mit einer extrem kurzen energetischen Amortisationszeit von rund einem Jahr, einem sehr geringen CO2-Fußabdruck und funktionierenden Recyclingkreisläufen setzt CIGS zudem höchste Standards in der Nachhaltigkeit.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer bei der Photovoltaik-Planung nicht nur den reinen Modulpreis, sondern Gesamtsystemkosten, architektonischen Mehrwert und Ökologie in den Fokus rückt, findet in CIGS die intelligente "Sonnenhaut" für die Gebäude und Fahrzeuge von morgen.
Letzte Aktualisierung: 05.05.2026