Gefahren durch Elektrizität bei Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlagen produzieren Gleichstrom, der bei geringen Stromstärken deutlich ungefährlicher für den Menschen ist als Wechselstrom. Wirklich gefährlich sind die auftretenden Ströme nur, wenn die Sonneneinstrahlung recht hoch ist. Restlichteinwirkungen durch Scheinwerfer oder die Straßenbeleuchtung sind als eher harmlos zu betrachten.

Stromschäden bei Menschen

Gefahr durch Stromschlag bei PhotovoltaikWechselstrom birgt schon bei geringen Stromstärken von wenigen Milliampere große Gefahren, da er den Herzmuskel aus dem Takt bringt. Bei der üblichen Netzfrequenz von 50 Hertz ist der Herzmuskel 100 Stromschlägen pro Sekunde ausgesetzt, da beide Stromrichtungen gefährlich sind. Gleichstrom ist dagegen normalerweise erst bei Stromstärken von einigen 100 Milliampere tödlich, wirklich lebensgefährlich wird es ab etwa 250 Milliampere. Eine Photovoltaikanlage unter direkter Sonneneinstrahlung kann allerdings deutlich höhere Stromstärken produzieren. Die Folgen können beispielsweise ein Herzstillstand sein, eine Atemlähmung oder auch Gasbildung im Blut infolge von Elektrolyse. Sehr häufig treten auch schwere mittelbare Schädigungen ein, da die Kontrolle über die Muskeln kurzzeitig verloren geht und es so zu schweren Stürzen kommt, die nicht durch die üblichen Schutzreflexe abgefangen werden.

Sonstige Stromschäden

Wenn Strom indirekt gefährlich wird, geschieht dies meist durch ausbrechende Feuer. Wenn der Strom durch ein Schadensereignis plötzlich auf einen deutlich höheren elektrischen Widerstand trifft, kommt es zu Hitzebildung und gegebenenfalls Schmorbränden. Denkbar sind jedoch auch weitere Schadensereignisse durch unkontrollierten Stromfluss. In einigen Materialien kommt es durch Stromfluss zu chemischen Reaktionen, bei denen giftige Gase entstehen können.

Lichtbögen

LichtbogenLichtbögen entstehen dann, wenn der Stromkreis unterbrochen wird und an der defekten Stelle hohe elektrische Feldstärken auftreten. Wie hoch die Feldstärken tatsächlich sind, hängt beispielsweise bei einem Kabelbruch sehr stark vom Zufall ab. Maßgeblich sind der Abstand zwischen den freiliegenden Kabelenden, die anliegende Spannung und die Fläche der Kontakte, zwischen denen die Spannung anliegt. Besonders gefährlich sind in dieser Hinsicht Bruchstellen, die nicht glatt sind, sondern kleine Spitzen aufweisen. Mit scharf angespitzten Drahtenden lässt sich sogar mit einer üblichen Batterie mit einer Spannung von wenigen Volt ein Lichtbogen erzeugen. In einem Lichtbogen werden aufgrund der hohen elektrischen Feldstärke Elektronen von den Atomen beziehungsweise Molekülen gelöst, wodurch ein elektrisch leitendes Plasma entsteht. Dabei entstehen hohe Temperaturen. So ziemlich alles, was in einen solchen Lichtbogen gerät, fängt augenblicklich Feuer. Daneben kann ein Lichtbogen auch für eine sehr unangenehme Überraschung sorgen. Eine vermeintlich unterbrochene und stromlose Leitung kann plötzlich wieder Strom führen, wenn an der Stelle der Unterbrechung ein Lichtbogen durchbricht.

Gefahren beim Rettungseinsatz der Feuerwehr

Bei Löscharbeiten kommt die Photovoltaikanlage regelmäßig in Kontakt mit Löschwasser, wodurch sich dem Strom zahlreiche neue Wege öffnen. Einer dieser Wege führt entlang dem Löschstrahl selbst, was jedoch vergleichsweise geringe Gefahren birgt. Die Stromstärken im Löschstrahl sind nach neueren Messungen relativ gering. Deutlich gefährlicher ist stehendes Löschwasser. Hier können hohe Stromstärken auftreten, wenn das Wasser in Kontakt mit zwei Punkten mit hohem Spannungsgefälle gerät.

Nur die Abschaltung bietet Schutz

Abschaltknopf Photovoltaikanlage / SolarmoduleEinen wirklich verlässlichen Schutz für die Feuerwehr bietet nur ein Abschaltknopf für die Photovoltaikanlage. Der Wechselrichter ist abschaltbar, was allerdings längst nicht ausreicht, weil auf der Gleichstromseite unvermindert hohe Spannungen anliegen. Der Stromkreis muss direkt an den Photovoltaik Modulen unterbrochen werden, damit die Leitungen im Haus keinen Strom mehr führen. Zur Sicherheit sollten im Haus weitere Unterbrechungsschalter vorhanden sein, da die Unterbrechung unmittelbar bei den Solarmodulen durch Löschwasser kurzgeschlossen werden kann. Mittlerweile werden zahlreiche solcher Systeme angeboten. Idealerweise lösen diese im Schadensfall automatisch aus und sind darüber hinaus mit der Hauptstromversorgung des Gebäudes gekoppelt. Diese wird von der Feuerwehr ohnehin abgeschaltet, weswegen mit diesem Abschalten auch die Photovoltaikanlage automatisch abgeschaltet werden sollte.

Solange Strom fließt, bleibt es gefährlich

Strom kann Brände verursachen, giftige Gase produzieren und Menschen unmittelbar schwer schädigen. Der einzige wirklich zuverlässige Schutz besteht in einer Abschaltung der Photovoltaikanlage. Trotz aller Vorsichtmaßnahmen und geeigneter Schutzkleidung besteht für die Feuerwehr im Brandfall ein hohes Risiko, solange im Haus noch Strom fließt. Photovoltaikanlagen erlauben in ihrer Grundkonfiguration eine solche Abschaltung bislang nicht, weswegen zusätzliche Sicherheitssysteme, wie z.B. eine Brandfallabschaltung, erforderlich sind.