Direktvermarktung von Solarstrom

Die überwiegende Mehrzahl der Besitzer von Photovoltaikanlagen entscheidet sich dafür, den Solarstrom ins Netz einzuspeisen und dafür die Einspeisevergütung zu erhalten. Die mit einer direkten Vermarktung des Stroms zu erzielenden Erträge wären deutlich niedriger. Aus diesem Grund wird auch die Direktvermarktung staatlich gefördert, um diese Alternative interessanter zu gestalten.

Die Marktprämie gleicht Verluste aus

Marktprämie nach dem EEG

Bildquelle: Honolulu99, Alfonsedsltas unter CC BY-SA 3.0

Das wichtigste Förderinstrument der Direktvermarktung ist die Marktprämie. Der Anlagenbetreiber verkauft seinen Strom dabei direkt an der Strombörse. Der so erzielte Verkaufserlös ist aufgrund der niedrigen Großhandelspreise für Strom deutlich niedriger als die Einspeisevergütung. Über die Marktprämie wird dem Betreiber der Photovoltaikanlage die Differenz erstattet. Erstattet wird allerdings nicht exakt die tatsächliche Differenz, sondern die Differenz zum durchschnittlichen Verkaufspreis im jeweiligen Monat. Wer seinen Strom zu überdurchschnittlichen Preisen verkauft, nimmt also mehr ein, als er über die Einspeisevergütung erhalten würde. Entsprechend geringer fallen die Einnahmen aus, wenn der Strom zu unterdurchschnittlichen Preisen verkauft wird.

Die Managementprämie

Die Managementprämie dient dazu, die Kosten der Direktvermarktung auszugleichen. Der wesentliche Kostenfaktor besteht in der zu erstellenden Ertragsprognose. Um das Stromaufkommen für den Netzbetrieb planbar zu machen, müssen die Betreiber einer PV-Anlage eine Prognose des zu erwartenden Ertrags abgeben. Abweichungen des tatsächlichen Ertrags vom prognostizierten führen zu finanziellen Einbußen. Aus diesem Grund ist die Managementprämie für die nicht frei regelbaren Technologien Photovoltaik und Windkraft deutlich höher als für Biomassen- oder Wasserkraftwerke. Im Jahr 2013 beträgt die Managementprämie für eine nicht fernsteuerbare Photovoltaikanlage 0,65 Cent pro Kilowattstunde, bis 2015 sinkt sie nach heutiger Rechtslage auf 0,3 Cent. Mit einer Gesetzesänderung wurde diese Prämie im vergangen Jahr deutlich gekürzt. Einige spezialisierte Dienstleister haben folgendes Geschäftsmodell entwickelt: Sie übernehmen die Direktvermarktung des Solarstroms für ihre Kunden, wobei sie diesen mindestens Einnahmen in Höhe der Einspeisevergütung garantieren, meist sogar mehr.

Direktvermarktung ist für große Anlagen lukrativer

Direktvermarktung PhotovoltaikJe größer die Photovoltaikanlage ist, desto eher lohnt sich die Direktvermarktung. Gemeint sind nicht nur sehr große Anlagen ab zehn Megawatt – für diese wird seit 2012 keine Einspeisevergütung mehr gewährt, weswegen nur die Direktvermarktung infrage kommt. Aber auch große PV-Anlagen unterhalb dieser Schwelle profitieren von der Direktvermarktung stärker als Kleinanlagen. Der Grund ist denkbar einfach: Die Managementprämie wird pro Kilowattstunde gezahlt, der Aufwand für die Ertragsprognose wächst aber nicht proportional zur Größe der Anlage. Ertragsprognosen sind im Wesentlichen Wetterprognosen.

Förderung der Direktvermarktung dient langfristigen Zielen

Die Förderung der Direktvermarktung erfolgt weitgehend kostenneutral. Das verwundert nicht, schließlich ist es das Ziel dieser Förderung, dem Anlagenbetreiber ungefähr die gleichen Einnahmen zu garantieren, die er auch über die Einspeisevergütung erhalten würde. Das politische Ziel der Förderung ist es, überhaupt erst Vertriebswege für die eigene Vermarktung von Solarstrom zu etablieren. Die Förderung über das EEG wird in wenigen Jahren auslaufen, wenn die Ausbauziele erreicht sind. Ob und gegebenenfalls welche Nachfolgeregelungen getroffen werden, ist heute noch unklar. Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass ab diesem Zeitpunkt für Neuanlagen nur noch eine Direktvermarktung möglich ist. Darauf bereitet die Förderung der Direktvermarktung bereits heute vor.

Geringe Unterschiede zur Einspeisevergütung

Heute spielt es aus finanzieller Sicht für private Anlagenbetreiber kaum eine Rolle, ob sie sich für die Einspeisevergütung oder für die Direktvermarktung entscheiden. Tendenziell ist die Direktvermarktung eher für größere Anlagen lukrativ, aber auch hier sind die Unterschiede zur Einspeisevergütung gering.