Photovoltaikanlagen bei Hochwasser

Hochwasser stellt für die gesamte elektrische Installation eines Gebäudes eine erhebliche Gefahr dar. Während aber die Hauptstromversorgung im Notfall einfach abgeschaltet werden kann, erzeugen die Module einer Photovoltaikanlage weiterhin Strom, was erhebliche Gefahren birgt.

Gefahr von Stromschlägen

Hochwasser und PhotovoltaikWasser ist die größte Gefahrenquelle für eine Photovoltaikanlage. Sogar im Brandfall sind die Gefahren durch Löschwasser ebenso groß wie die Gefährdung, die unmittelbar vom Feuer ausgeht. Nochmals deutlich verschärft wird diese Gefahr, wenn bei einem Hochwasser Kellerräume und manchmal sogar die darüber liegenden Räume unter Wasser stehen. Von den Photovoltaik Modulen auf dem Dach bis zum Wechselrichter im Keller verlaufen Anschlussleitungen, zwischen denen eine Spannung von mehreren hundert Volt anliegt, oft werden sogar 1.000 Volt erreicht. Geraten die stromführenden Teile in direkten Kontakt mit dem Wasser, besteht in der Umgebung höchste Lebensgefahr. Der Kellerraum, in dem sich der Wechselrichter befindet, darf dann auf keinen Fall betreten werden. Ausgenommen sind Photovoltaikanlagen, die über eine entsprechende Abschaltvorrichtung verfügen, was jedoch längst nicht immer der Fall ist. Wenn die Module spannungsfrei geschaltet werden können oder die Stromleitungen oberhalb der Hochwasserlinie zuverlässig unterbrochen werden können, ist die Gefahr gebannt. Ist das nicht der Fall, muss das Abklemmen beziehungsweise Abschalten des Wechselrichters Fachleuten überlassen werden. Zu beachten ist dabei in jedem Fall, dass auch nach dem Abschalten des Wechselrichters längst nicht alle Gefahren gebannt sind, weil die Leitungen vom Dach zum Wechselrichter unverändert unter einer hohen Spannung stehen.

Explosionsgefahr in Kellerräumen

Auf eine weitere mögliche Gefahrenquelle weist der TÜV Rheinland hin: Fließt durch Wasser ein elektrischer Strom, kann es durch Elektrolyse zur Bildung von Wasserstoffgas kommen. Gefährlich ist dies vor allem, wenn sich der Wechselrichter in einem schlecht durchlüfteten Kellerraum befindet. In diesem Fall sammelt sich das Gas im oberen Bereich des Raums, bereits ein Funken kann dann eine Explosion auslösen.

Welche Sofortmaßnahmen sind erforderlich?

Photovoltaik und starker RegenWenn eine Überflutung des Gebäudes absehbar ist, sollte der Wechselrichter abgeschaltet werden, solange er noch gefahrlos zugänglich ist. Steht der Keller bereits unter Wasser, sollte unbedingt ein Fachmann hinzugezogen werden, um den Wechselrichter abzuschalten. Andere Personen sollten den überfluteten Kellerraum auf keinen Fall mehr betreten. Muss das Gebäude geräumt werden, sollten darüber hinaus an gut sichtbarer Stelle Warnhinweise angebracht werden, um Rettungskräfte vor den Gefahren durch die Photovoltaikanlage zu warnen.

Was ist anschließend zu tun?

Auch bei der Wiederinbetriebnahme der Photovoltaikanlage nach dem Hochwasser sind einige Punkte zu beachten. Wasser und Schlamm können der Solaranlage dauerhafte Schäden zugefügt haben, weswegen eine professionelle Kontrolle der gesamten Komponenten erforderlich ist. Gefährdet sind grundsätzlich auch alle Stecker und Kabel, aber insbesondere der Wechselrichter, wenn er längere Zeit im Wasser stand. Dieser sollte einer genauen Funktionsprüfung unterzogen werden, idealerweise durch den Montagbetrieb, der sich mit dem jeweiligen Modell genau auskennt.

Nur rechtzeitiges Abschalten vermeidet Gefahren

Entscheidend bei einem Hochwasser ist, die Photovoltaikanlage frühzeitig abzuschalten. Ist keine Notfallabschaltung vorhanden, sollte zumindest der Wechselrichter ausgeschaltet werden. Nicht vergessen werden sollte, die PV-Anlage einer professionellen Funktions- und Sicherheitsprüfung zu unterziehen, bevor sie nach dem Hochwasser wieder in Betrieb genommen wird.